So baut man eine Angelrute: Die 16 wichtigsten Schritte im Rutenbau

Der Bau einer individuellen Angelrute erfordert eine sorgfältige Planung, hochwertige Rutenbau-Komponenten und präzises handwerkliches Arbeiten. In diesem Beitrag werden die 16 grundlegenden Schritte des Rutenbaus vorgestellt, die für die Planung und den Aufbau einer Angelrute erforderlich sind.

Die beschriebenen Abläufe lassen sich grundsätzlich auf nahezu jede Art von Angelrute übertragen. Ob Spinnrute, Karpfenrute, Fliegenrute oder individuelle Custom-Angelrute: Die grundlegenden planerischen und handwerklichen Arbeitsschritte sind weitgehend identisch. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Auswahl und Anordnung der einzelnen Rutenbau-Komponenten.

Fuji Rutenring wird an einer Custom Angelrute montiert in dem er gewickelt wird

Einer der 16 Arbeitsschritte ist das Montieren der Rutenringe auf dem Blank

Aus welchen Komponenten besteht eine Angelrute?

Wer eine Angelrute selber bauen oder individuell aufbauen möchte, benötigt im Wesentlichen acht Komponenten:

  • Rutenblank (Rutenrohling)

  • Rutenringe

  • Rollenhalter

  • Griffelemente

  • Zierringe

  • Bindegarn (Wickelgarn)

  • Rutenbaulack

  • Rutenbaukleber

Schritt 1: Sprungpunkt beziehungsweise Overlap des Rutenblanks ermitteln

Im ersten Arbeitsschritt werden die Beschaffenheit und das Biegeverhalten des Rutenblanks untersucht. Dabei wird der sogenannte Overlap beziehungsweise Sprungpunkt des Blanks ermittelt.

Ein Rutenblank ist aufgrund seines Herstellungsverfahrens nicht in jede Richtung vollkommen gleich flexibel. Je nach Ausrichtung kann er deshalb ein unterschiedliches Biegeverhalten aufweisen. Durch kontrolliertes Biegen, Abtasten und spezielle Handgriffe lässt sich die bevorzugte Biegeachse des Rutenrohlings bestimmen.

Die ermittelte Blankachse dient anschließend als Orientierung für die spätere Positionierung der Rutenringe. Die korrekte Ausrichtung ist eine wichtige Grundlage für einen präzisen und funktionalen Rutenaufbau.

Vor dem Bau der Custom Rute wird das Biegeverhalten des Rutenblanks begutachtet

Das unterschiedliche Biegeverhalten des Blanks muss beachtet werden

Schritt 2: Grifflänge und Position des Rollenhalters bestimmen

Im zweiten Schritt werden die Grifflänge und die Position des Rollenhalters festgelegt. Diese Planung sollte bereits zu Beginn des Rutenaufbaus erfolgen, da viele weitere Arbeitsschritte davon abhängen.

Die geplante Position des Rollenhalters wird zunächst lediglich auf dem Rutenblank markiert. Die endgültige Montage erfolgt erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Durch die Festlegung der Rollenhalterposition ergibt sich gleichzeitig die nutzbare Länge zwischen Rollenhalter und Blankspitze. Auf diesem Bereich werden später die Anzahl, Größe und Abstände der Rutenringe geplant.

Die passende Grifflänge hängt unter anderem von der Rutenart, der Gesamtlänge, der Angeltechnik und den persönlichen Anforderungen des Anglers ab. Bei einer individuell gebauten Angelrute kann die Griffkonstruktion gezielt an den späteren Einsatzzweck angepasst werden.

Rollenhalter aus Carbon wird an einer Custom Angelrute positioniert und montiert

Die Position des Rollenhalters wird ermittelt

Schritt 3: Endgriff, Endkappe und Zierring montieren

Im dritten Arbeitsschritt werden der Endgriff, die Endkappe und gegebenenfalls ein Zierring montiert. Diese Komponenten bilden den hinteren Abschluss der Angelrute.

Je nach gewünschter Konstruktion kann sowohl auf einen Zierring als auch auf eine separate Endkappe verzichtet werden. Die Auswahl hängt von der Bauweise, dem Einsatzzweck und der gewünschten Optik der Custom-Rute ab.

Schritt 4: Untergriff und Zierring montieren

Im vierten Schritt werden der Untergriff und gegebenenfalls ein weiterer Zierring montiert.

Bei der Gestaltung des Rutengriffs bestehen zahlreiche Möglichkeiten. Griffmaterialien wie Kork und Duplon beziehungsweise EVA lassen sich vergleichsweise leicht bearbeiten und individuell anpassen.

Der Untergriff kann kurz und geteilt aufgebaut werden. Alternativ ist eine traditionelle, durchgehende Griffkonstruktion möglich, bei der Untergriff und Endgriff ein gemeinsames Element bilden.

Ob ein geteilter oder durchgehender Rutengriff verwendet wird, ist vor allem eine Frage der gewünschten Ergonomie, Gestaltung und Bauweise. Bei fachgerechter Montage können beide Varianten eine hohe technische Funktionalität bieten.

Ein Griffelement unter dem Rollenhalter der Angelrute wird positioniert und montiert

Der Untergriff wird auf dem Rutenblank montiert

Schritt 5: Rollenhalter montieren

Im fünften Arbeitsschritt wird der Rollenhalter dauerhaft am Rutenblank befestigt.

Da der Innendurchmesser des Rollenhalters häufig größer als der Außendurchmesser des Blanks ist, wird in vielen Fällen eine passende Unterfütterung beziehungsweise Ausgleichskonstruktion benötigt. Dadurch lässt sich der Rollenhalter zentriert, stabil und dauerhaft auf dem Rutenblank montieren.

Für die Verklebung wird ein geeigneter 2-Komponenten-Rutenbaukleber verwendet.

Schritt 6: Vorgriff und Zierring montieren

Im sechsten Schritt werden der Vorgriff und gegebenenfalls ein Zierring montiert. Die handwerklichen Abläufe ähneln der Montage des End- und Untergriffs.

Nach Abschluss dieses Arbeitsschritts ist der gesamte Griffbereich der Angelrute fertig aufgebaut – sofern keine zusätzlichen Zierwicklungen oder dekorativen Elemente vorgesehen sind.

Ein Griffelement vor dem Rollenhalter der Angelrute wird positioniert und montiert

Der Vorgriff wird auf dem Rutenblank montiert

Schritt 7: Rutenringe und technische Anforderungen planen

Im siebten Arbeitsschritt beginnt die theoretische Planung der Rutenberingung.

Für den individuellen Rutenbau stehen zahlreiche Rutenringarten, Größen, Materialien und Rahmenkonstruktionen zur Verfügung. Die Auswahl richtet sich unter anderem nach:

  • der Art der Angelrute,

  • der verwendeten Schnur,

  • der vorgesehenen Angelrolle,

  • dem Wurfgewicht,

  • der Belastung,

  • dem Zielfisch und

  • dem späteren Einsatzgebiet.

In diesem Schritt werden die Rutenringe zunächst nur ausgewählt und geplant. Die Montage erfolgt erst später.

Für den Aufbau einer Custom Angelrute müssen die passenden Rutenringe gewählt werden

Die Auswahl der passenden Rutenringe muss erfolgen

Schritt 8: Spitzenring planen und auswählen

Im achten Arbeitsschritt wird der passende Spitzenring ausgewählt.

Auch Spitzenringe sind in unterschiedlichen Größen, Materialien und Bauformen erhältlich. Die Auswahl muss zum Durchmesser der Blankspitze, zur geplanten Rutenberingung und zum späteren Einsatzbereich der Angelrute passen.

Die theoretische Planung der Rutenringe und des Spitzenrings kann grundsätzlich auch zu einem früheren Zeitpunkt erfolgen. Wichtig ist, dass alle ausgewählten Komponenten technisch aufeinander abgestimmt sind.

Für den Aufbau einer Custom Angelrute muss der passende Rutenring gewählt werden

Die Auswahl des passenden Spitzenringes muss erfolgen

Schritt 9: Anzahl, Größen und Abstände der Rutenringe bestimmen

Im neunten Schritt werden die Ringanzahl, die Ringgrößen und die Abstände zwischen den einzelnen Rutenringen festgelegt.

Die benötigten Werte können mithilfe einer Berechnung ermittelt oder anhand bewährter Beringungstabellen und vorhandener Richtwerte bestimmt werden. Anschließend werden die geplanten Ringpositionen vorsichtig mit einem Bleistift auf dem Rutenblank markiert.

Die Beringung sollte zur Länge, Aktion und Belastung des Rutenblanks passen. Eine sorgfältige Ringverteilung unterstützt eine gleichmäßige Belastung des Blanks und eine kontrollierte Schnurführung.

Schritt 10: Ringfüße der Laufringe anschleifen

Im zehnten Arbeitsschritt werden die Ringfüße der Laufringe kontrolliert und bei Bedarf leicht angeschliffen.

Durch das Bearbeiten der Ober- und Unterseiten können unsaubere Kanten entfernt und flachere Übergänge geschaffen werden. Dadurch lässt sich das Bindegarn später sauberer über den Ringfuß führen.

Dieser Arbeitsschritt ist nicht bei jedem Rutenring erforderlich. Hochwertige Rutenringe verfügen häufig bereits über sauber bearbeitete Ringfüße. Bei besonders großen Laufringen oder weniger präzise gefertigten Ringmodellen kann eine Nachbearbeitung jedoch sinnvoll sein.

Schritt 11: Spitzenring montieren

Im elften Schritt wird der Spitzenring am Ende des Rutenblanks montiert.

Der Spitzenring ist in der Regel der erste Ring, der dauerhaft befestigt wird. Seine exakte Ausrichtung dient anschließend als Orientierung für die Position der weiteren Rutenringe.

Je nach Konstruktion wird der Spitzenring verklebt. Zusätzlich kann eine Garnwicklung angebracht werden, um den Übergangsbereich zu stabilisieren und optisch sauber zu gestalten.

Schritt 12: Laufringe montieren und ausrichten

Im zwölften Arbeitsschritt werden die Laufringe auf dem Rutenblank montiert.

Dazu werden die Ringe zunächst an den zuvor festgelegten Positionen fixiert. Anschließend werden die Ringfüße mit speziellem Rutenbau-Bindegarn umwickelt.

Während des gesamten Vorgangs müssen die Rutenringe immer wieder kontrolliert und präzise ausgerichtet werden. Für eine gleichmäßige Rutenberingung sind Geduld, handwerkliche Sorgfalt und ein gutes Auge erforderlich.

Fuji Rutenring wird an einer Custom Angelrute montiert in dem er gewickelt wird

Die Rutenringe werden montiert in dem sie gewickelt werden

Schritt 13: Steckverbindungen und Zierwicklungen wickeln

Im dreizehnten Schritt werden die erforderlichen Wicklungen an den Steckverbindungen angefertigt.

Diese Wicklungen erfüllen eine technische Funktion und können dazu beitragen, die entsprechenden Blankbereiche zu unterstützen. Sie sollten fachgerecht ausgeführt und an die jeweilige Blankkonstruktion angepasst werden.

Zusätzlich können individuelle Zierwicklungen angebracht werden. Diese dienen hauptsächlich der optischen Gestaltung und ermöglichen es, eine handgebaute Angelrute farblich und gestalterisch zu personalisieren.

Schritt 14: Ring- und Zierwicklungen sorgfältig reinigen

Vor dem Lackieren müssen sämtliche Wicklungen gründlich kontrolliert und gereinigt werden.

Staub, lose Fasern und andere Verunreinigungen können später in der Lackoberfläche sichtbar bleiben. Deshalb sollten alle Fremdpartikel möglichst vollständig entfernt werden.

Lose Garnfasern können vorsichtig beseitigt werden. Dabei ist besondere Sorgfalt erforderlich, damit weder das Bindegarn noch der Rutenblank beschädigt werden.

Eine saubere Vorbereitung ist eine wichtige Voraussetzung für eine gleichmäßige und hochwertige Lackierung.

Schritt 15: Wicklungen mit Rutenbaulack versiegeln

Im fünfzehnten Arbeitsschritt werden die Ringwicklungen und gegebenenfalls die Zierwicklungen mit speziellem 2-Komponenten-Rutenbaulack versiegelt.

Abhängig vom verwendeten Lack, der Wicklung und dem gewünschten Ergebnis kann die Lackierung in einem oder mehreren Durchgängen erfolgen.

Der Rutenbaulack wird mit einem geeigneten Pinsel kontrolliert auf die vorgesehenen Bereiche aufgetragen. Ein aufwendiges Sprühverfahren ist dafür nicht erforderlich.

Die Lackierung schützt das Bindegarn und sorgt gleichzeitig für eine glatte, haltbare und optisch hochwertige Oberfläche.

Schritt 16: Rutenbaulack in der Trocknungsvorrichtung aushärten lassen

Im letzten Arbeitsschritt muss der aufgetragene Rutenbaulack vollständig aushärten.

Dafür wird die Angelrute in eine Lacktrocknungsmaschine beziehungsweise Rutenbau-Trocknungsvorrichtung eingespannt. Während des Aushärtens dreht sich die Rute langsam und gleichmäßig um die eigene Achse.

Durch die kontinuierliche Rotation verteilt sich der noch flüssige Lack möglichst gleichmäßig. Dadurch wird das Risiko von Lacknasen, einseitigen Materialansammlungen und Unebenheiten reduziert.

Nach der vollständigen Aushärtung ist der grundlegende Aufbau der individuellen Angelrute abgeschlossen.

Lassen sich die 16 Schritte auch auf den Bau einer Fliegenrute übertragen?

Die beschriebenen 16 Arbeitsschritte können grundsätzlich auch auf den Aufbau einer Fliegenrute angewendet werden. Die grundlegende Reihenfolge der Planung und Montage bleibt weitgehend identisch.

Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Konstruktion des Griffbereichs. Bei vielen Fliegenruten befindet sich der Rollenhalter hinter dem Rutengriff und wird lediglich durch den Griff sowie eine Endkappe ergänzt.

Bei einigen Bauweisen wird vollständig auf eine separate Endkappe verzichtet. In diesem Fall bildet der Rollenhalter den hinteren Abschluss der Fliegenrute.

Unabhängig davon, ob eine Spinnrute, Karpfenrute oder Fliegenrute aufgebaut wird, bilden eine sorgfältige Planung, die Auswahl geeigneter Rutenbau-Komponenten und eine präzise handwerkliche Verarbeitung die Grundlage für eine hochwertige, individuell gebaute Angelrute.

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Wenn du noch nicht genau weißt, welche Angelrute zu deinem Einsatzbereich passt, findest du außerdem ausführliche Informationen zu verschiedenen Rutenkonzepten für unterschiedliche Angelmethoden und Zielfische https://www.jakfisk.com/rutenkonzepte

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Fuji Rutenringe – Der große Guide zu Modellen, Materialien und Güteklassen